Über uns

Geschichte des Emsland Moormuseums

Einleitung
Inmitten eines der ehedem größten Hochmoore Europas, dem Bourtanger Moor, liegt das Emsland Moormuseum in der Belegenheitsgemeinde Geeste im Westen des Landkreises Emsland, zwischen Lingen und Meppen, in unmittelbarer Nähe zur niederländischen Grenze. Der flächenmäßig drittgrößte Landkreis der Bundesrepublik Deutschland mit einer Einwohnerzahl von 312.000 (Stand 2009) entstand 1977 im Zuge der Gebietsreform aus den Landkreisen Aschendorf-Hümmling, Lingen und Meppen. Der Landkreis gehört mit 107 Einwohner/qkm statistisch gesehen eher zu den dünn besiedelten Gebieten Deutschlands. Wichtigste Verkehrsanbindungen sind die Autobahnen A-31, A-30, A-28 und die E-232 (NL), die Bundesstrassen B-70 (Emsland-Ruhrgebiet), B-213 (Emsland-Enschede) und B-214/218 (Emsland-Osnabrück), die Eisenbahnhauptstrecke Emden-Meppen-Münster-Ruhrgebiet sowie der Dortmund-Ems-Kanal. Die internationalen Flughäfen Münster/Osnabrück, Düsseldorf, Bremen und Groningen sind ca. eine Fahrstunde entfernt. Das Emstal ist auch heute noch das wirtschaftliche Rückgrat des Kreises. An ihm liegen die Städte und bevölkerungsstärksten Landgemeinden. Zwei Drittel der Kreisbewohner leben am Emstal. Vor allem die vom Fluss geprägte Landschaft mit Möglichkeiten zum Wandern, Rad- und Kanufahren lockt jährlich viele Besucher an.

Entstehung des Emsland Moormuseums
Die Entstehung des Emsland Moormuseums geht auf den Heimat- und Verkehrsverein Groß Hesepe e.V. zurück. Mit dem Ende der Kultivierungsarbeiten im Rahmen des sog. Emslandplanes blieben in den 1970er Jahren Großgeräte der Fa. Ottomeyer, wie Dampflokomobilen, Tiefpflüge und Planierraupen im Emsland zurück. Die Maschinen hatten mit dem Abschluss der Erschließungsarbeiten ausgedient und wurden dem Heimatverein Groß Hesepe (Gemeinde Geeste) zu Ausstellungszwecken anvertraut. Hinzu kamen schon bald etliche Torfabbau- und Torfverarbeitungsmaschinen sowie Kleingeräte aus den Zeiten des bäuerlichen Handtorfstichs, die aufgrund des stetigen technischen Fortschritts in der Region keine Verwendung mehr fanden. Ein dem Heimatverein von der Gemeinde Geeste zur Verfügung gestellter Restmoorkörper von zunächst 20ha Fläche, wurde zur neuen Heimat dieser Maschinen. 1984 wurde dann eine Halle mit einem Verwaltungs- und Wohntrakt gebaut, welche zwei Jahre später durch einen Anbau um eine Ausstellungsfläche ergänzt wurde.

1992 konnte zwar noch ein weiteres Gebäude eröffnet werden, das die Verwaltung und die Museumsgaststätte aufnahm. Doch blieben Versuche des Moormuseums, für den Unterhalt Gelder der Landesregierung oder der Niedersächsischen Sparkassenstiftung einzuwerben, erfolglos.  Nicht zuletzt aufgrund dieser Probleme, die nach Lösungen im Kontext der steigenden Bedeutung des Museums verlangten, kam es in den Jahren 2003/2004 zu einer Umstrukturierung. Mit dem Emsland Moormuseum e.V., dem der Landkreis Emsland, die Gemeinde Geeste, der Emsländischen Heimatbund, der Heimatverein Geeste und Persönlichkeiten des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens angehören, wurde ein neuer Trägerverein gegründet, um den bis dato mit großem Engagement tätigen Heimatverein, angesichts der zukünftig anstehenden Aufgaben zu entlasten.

Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen
Im Rahmen eines gemeinsam mit dem Schmalspurmuseum in Erica (Niederlande) entwickelten grenzüberschreitenden EU-Förderprojektes „Spuren im Moor“ – „Spooren in het veen“ wurde die alte Ausstellungshalle des Museums in den Jahren 2005 und 2006 grundlegend renoviert. Hinzu kam die Neukonzeption und Gestaltung der gesamten Dauerausstellung. Die völlig neu konzipierte Ausstellungshalle hat nun etwa 1000 m² Ausstellungsfläche und gibt Auskunft über den Lebensraum Moor, beschreibt die Besiedlung der Moore und zeigt die Geschichte des Torfabbaus bis 1920. Die Ausstellungshalle beherbergt ein kleines Kino mit einer Auswahl historischer Filme.

Aufgrund des schlechten Zustandes der seit Jahrzehnten im Freigelände stehenden Objekte der Fa. Ottomeyer musste zudem eine Lösung gefunden werden, um den im Bestand gefährdeten Ottomeyerpflug sowie die beiden Lokomobile (technische Kulturdenkmale von internationalem Rang) dauerhaft zu schützen. Ein weiteres, rund um den Internationalen Naturpark Bourtanger Moor etabliertes Europa-Projekt, half dann schließlich den Bau einer zusätzlichen Ausstellungshalle zu finanzieren. Die im Sommer 2010 eröffnete neue Ausstellungshalle mit weiteren 1800 m² Ausstellungsfläche widmet sich im Erdgeschoss dem sog. „Emslandplan“, einer Raumneuordnung der 1950er und 1960er, die weite Teile der Region in ihrer Landschaft und Infrastruktur völlig veränderte. Im Obergeschoss sollen zukünftig die Ausstellungsthemen Torfabbau/Moorschutz und die Geschichte der Moorforschung für die Zeit ab 1930 gezeigt werden. Daneben erhielt die Halle eine zusätzliche Wechselausstellungsfläche.

Museum und Sammlung von Rang
Schon jetzt dürfte das Emsland Moormuseum eine der führenden Einrichtungen in Europa sein, die zur Geschichte von Moor und Torf aktiv sammeln, bewahren, forschen und ausstellen. Dies zeigt exemplarisch der Sammlungsbereich Maschinenbau: Die Entwicklung und der Bau von Torfabbaugeräten durch deutsche Firmen geschah oftmals im Kontext des europäischen oder sogar des außereuropäischen Marktes. Das Moormuseum kann aufgrund seiner umfangreichen technischen Sammlung diesen Themenbezug erfreulicherweise gut darstellen. Wichtige Ergänzungsübernahmen aus den Beständen deutscher, baltischer und irischer Torfabbaufirmen stehen in 2011 und 2012 an und werden zur Zeit vorbereitet. Die Perspektive der Sammlung des Emsland Moormuseums ist insgesamt ausgesprochen positiv zu bewerten. Der seit Jahren forcierte Aufbau einer wissenschaftlichen Bibliothek fördert die Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland und den Niederlanden. Die nur unzureichende Dokumentation des technischen Torfabbaus, der Landnutzung und der Produktentwicklung im Bereich der Torfwirtschaft, bietet ein ganzes Spektrum an Ansätzen der zukünftigen wissenschaftlichen Arbeit. Da es bislang keine zentrale Dokumentations- und Forschungsstelle gibt, ist es das Ziel, ein solche am Emsland Moormuseum zu beheimaten. Schon jetzt bildet die vorhandene Sammlung hier gute Ansätze. Historisches, geographisches, naturkundliches und technisches Schriftgut, werden mit internationaler Ausrichtung gesammelt. Beispielhaft zu nennen ist die sog. „Richard Bibliothek“ am Emsland Moormuseum, mit mehr als 16 Regalmetern eine der bedeutendsten Spezialsammlungen zum Thema Torfabbautechnik. Sie enthält bibliophile Kostbarkeiten aus mehreren Jahrhunderten. Jährlich erhält das Moormuseum Anfragen auf weitere Übernahmen privater Fachsammlungen zum Thema. Daneben besteht das Bildarchiv des Museums mit etwa 10 000 Fotografien zum Sammlungsgebiet. Hinzu kommen noch eine größere Anzahl von Fotoglasplatten und eine bedeutende Zahl Fotoalben. Einen herausragenden Stellenwert hat auch die Plansammlung mit technischen Zeichnungen zu den Themen Ödlandkultivierung, maschineller Torfabbau und regionaler Siedlungsgeschichte. Das Moormuseum ist bemüht seine Sammlungen kontinuierlich auszubauen. Da der Torfabbau in der Bundesrepublik Deutschland im Verlauf der nächsten Jahrzehnte stark zurückgehen wird, bereiten wir zur Zeit weitere Übernahmen vor.

Naturparkzentrum im Internationalen Naturpark Bourtanger Moor

Das Bourtanger Moor besteht nach der wirtschaftlichen Nutzung und dem einhergehenden Landschaftswandel nur mehr aus Restmoorkörpern. Gleichwohl wurden diese Flächen in 2006 im deutsch-niederländischen „Internationalen Naturpark Bourtanger Moor – Bargerveen“ grenzüberschreitend zusammengefasst, u.a. mit den Zielen, die intakten Hochmoorflächen im Naturschutz zu stärken und die sich noch in Nutzung befindlichen Hochmoore dem Naturschutz zuzuführen. Daneben soll der Tourismus in dieser Region gefördert werden. Da in den nächsten 15 Jahren weitere abgetorfte und teilabgetorfte Flächen nach Renaturierung unter Naturschutz gestellt werden, wird der Naturpark weiter wachsen und arrondieren. Das Moormuseum bietet sowohl die historische als auch die ökologische Sachkompetenz in der Wissensvermittlung und fungiert als Naturparkzentrum.