Forschung

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Das Moormuseum als Ort der Forschung und Schnittstelle zu Bildungs- und Forschungseinrichtungen

Mit dem Torfabbau und den Moorkultivierungen verschwand spätestens im ausgehenden 20. Jahrhundert der größte Teil der nordwestdeutschen Moore als Naturraum endgültig. Was mit einzelnen Siedlungsgründungen im 17. und 18. Jahrhundert begann und lange Jahre in ärmlicher Entwicklung stagnierte, nahm unter der Ägide der preußischen Regierung im 19. Jahrhundert Fahrt auf. Ödlandkultivierung, Binnenkolonisation und wirtschaftliche Nutzung der Torfe wurden zu Leitmotiven der „Eroberung“ der Moore. Diese Entwicklung wurde durch den Zweiten Weltkrieg gestört. In der Nachkriegszeit aus der Not heraus forciert, Lebensraum für Flüchtlinge zu schaffen, erwuchs die Moorkultivierung in der Zeit des Wirtschaftswunders vor allem im Emsland und in der Grafschaft Bentheim sowie im ehemaligen Land Oldenburg zu einer Raumneuordnung unvorstellbaren Ausmaßes. Das Emsland Moormuseum widmet sich dieser Entwicklung in seiner Sammlung und Ausstellung, Wissenschaftler des Museums forschen intensiv zu den genannten Themen. Darüber hinaus fungiert das Museum als Schnittstelle zu anderen Bildungseinrichtungen und Forschungsstellen, universitäteren Einrichtungen, Vereinen und Behörden.

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Derzeitige Forschungsprojekte am Emsland Moormuseum: Binnenkolonisierung, Moorkultivierung und Torfwirtschaft in Nordwestdeutschland

1. Die Aufsiedlung kultivierter und nichtkultivierter Moore wird in Hinblick auf die Motivation, Steuerung, Quantität und Dynamik vergleichend untersucht. Welche Entwicklung nahmen die Moorsiedlungen, die zunächst Satelliten der Zivilisation inmitten der Ödnis bildeten, innerhalb der Moorkultivierung und wie sind diese im Prozess zu bewerten? Welche wirtschaftliche Dynamik entfallteten die Moorsiedlungen und Moorsiedler? Wie sind die Lebensbedingungen der Siedler in den einzelnen Zeitläuften zu bewerten?
2. Die Torfindustrie wird spätestens 1920 zu einer Leitindustrie in ganz Nordwestdeutschland, nimmt erheblichen Einfluss auf die Kultivierung der Moore und bindet Kapital in der Region. Es wird erforscht, welche räumliche Verteilung die Torfindustriebetriebe in welchen Zeitabschnitten einnahmen, wie viele Arbeitskräfte beschäftigt waren, welche Produkte wie und auf welchen Wegen vermarktet wurden, welche Wirtschaftskraft die Betriebe entfalteten und welchen Einfluss die Torfabbauverbände auf wirtschaftliche und politische Entscheidungen nehmen konnten.
3. Bis heute sind die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Steuerungsmechanismen, die zur Moorkultivierung, Besiedlung und Torfnutzung führten, nicht hinreichend beschrieben. Insbesondere die Arbeit staatlicher Stellen in Preußen (u.a. die Zentrale Moorkommission) und die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Forschungseinrichtungen, Wirtschaftsverbänden und Interessensgruppen wird aufgearbeitet.

Ansprechpartner: Dr. Michael Haverkamp